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Keine Macht der Ohnmacht
Text: Thorsten Langer | Foto (Header): © monsitj – iStock.com/© SimpLine – stock.adobe.com
Sanktionslisten-Screening: Warum es wichtig ist, Entitäten offenzulegen und persönliche Verbindungen, Firmenanteile oder komplexe Unternehmensverflechtungen nachzuvollziehen
Auszug aus:
ZOLL.EXPORT
Ausgabe August 2026
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INHALTE DES BEITRAGS
Kennen Sie das auch – dieses Gefühl der Ohnmacht, das seit Jahren in der Luft liegt? Ob im privaten oder beruflichen Kontext: Viele Menschen fühlen sich derzeit erschöpft, orientierungslos und reagieren mit einer gewissen Abwehrhaltung. Das Sicherheitsgefühl, das vor gut zehn Jahren noch spürbar war, scheint verschwunden. Kein Wunder: Seit 2020 reiht sich Krise an Krise – von der Corona-Pandemie über den Konflikt in der Ukraine und die eskalierenden Klimafolgen bis hin zu geopolitischen Spannungen und neuen Konflikten. Das Resultat: Das Gefühl von Hilflosigkeit, Ausgeliefertsein oder Kontrollverlust führt zur Abwehrhaltung.
Abwehr entsteht aus Angst – und aus dem Empfinden, komplexe Zusammenhänge nicht ausreichend zu beurteilen und darauf reagieren zu können. Auch Fehlinformationen und Informationsüberfluss verstärken diese Reaktion. Die Wirklichkeit ist heute so vielschichtig, dass sie selbst mit hoher Bildung kaum vollständig zu erfassen ist. Die Folge: Der Mensch schaltet innerlich ab.
Gleichzeitig wächst das Misstrauen gegenüber politischen Aussagen und Medienberichten. Weltweit stehen führende Politiker und Regierungen in der Kritik – etwa wegen mutmaßlicher Menschenrechtsverletzungen, völkerrechtswidriger Handlungen oder der Aushöhlung rechtsstaatlicher Prinzipien.
Auch im Bereich Trade Compliance geraten „wertebasierte Regeln“ unter Druck. Normen, die als verlässlich galten, wirken brüchig oder werden infrage gestellt. Das nährt das Gefühl der Ohnmacht – und erschwert bürgerschaftliches Engagement. Viele kommen zu dem Entschluss: „Ich kann ja doch nichts ändern.“
Doch. Sie können etwas ändern: Indem Sie konsequent gegen Sanktionslisten prüfen und potenzielle Treffer noch tiefer analysieren. Hierfür haben wir den Advanced Visual Analyzer (AVA) entwickelt. Er ist in der Lage, Entitäten und ihre Beziehungen konsolidiert, transparent und übersichtlich offenzulegen. Der Begriff „Entität“ umfasst hierbei Personen, Organisationen, Unternehmen sowie Schiffe und Flugzeuge. Mit nur wenigen Klicks lassen sich Verflechtungen nachvollziehen, etwa persönliche Beziehungen zwischen Personen oder Beteiligungen und Eigentumsstrukturen von Unternehmen. AVA führt übereinstimmende Einträge zu einem Profil zusammen, das als Steckbrief übersichtlich dargestellt wird. Dieser bezieht sich auf verschiedene Quellenangaben sowie Verknüpfungen zu Verordnungen, die entscheidende Hinweise dafür liefern, warum eine Geschäftsbeziehung riskant sein kann.
Unter die Lupe: Die IMO-Nummern der Schattenflotte
Russlands wesentliche Einnahmequelle zur Finanzierung des Angriffs gegen die Ukraine wird häufig mit der sog. Schattenflotte in Verbindung gebracht. Darunter verstehen sich mindestens 1.400 Schiffe, v. a. aus dem Öl- und Rohstofftransport. Sie operieren außerhalb üblicher Transparenz- und Compliance-Standards, um Sanktionen, Embargos oder andere regulatorische Beschränkungen zu umgehen. Geschätzt werden 100 Mrd. Euro Einnahmen, welche zu 100 % in die Rüstung fließen.
Ein Teil des Handels läuft über Drittstaaten; dabei werden v. a. China und Indien als Abnehmer in Asien genannt, die das Öl zu „Dumpingpreisen“ erwerben, um es anschließend mit Gewinn auf dem europäischen Markt weiterzuverkaufen. Das Geschäftsmodell stützt sich zuweilen auf 20 bis 25 Jahre alte Öltanker, die ein erhöhtes Sicherheits- und Umweltrisiko darstellen. Deutschland ist besonders davon betroffen, denn täglich passieren aus Russland kommende Schiffe die Ostsee. Im Fokus steht derzeit der Tanker „Eventin“, der nach einem Maschinenschaden vor Rügen liegt und mit 100.000 t Öl an Bord von Behördenschiffen überwacht wird.
Ein weiteres großes Problem der Schattenflotte, das die Sanktionslistenprüfung erschwert, ist der häufige Flaggen- und Namenswechsel. Für Unternehmen bedeutet das, wer direkt oder indirekt Leistungen für solche Schiffe erbringt – etwa Reparaturen, Ausrüstung, Charter, Finanzierung, Versicherung oder Hafenservices –, läuft Gefahr, gegen Sanktionen zu verstoßen. Die Folgen können gravierend sein: Hohe Bußgelder, strafrechtliche Konsequenzen, Ausschluss von Märkten sowie erhebliche Reputationsschäden. Ein Merkmal von Schiffen hingegen bleibt für immer eindeutig: Die IMO-Nummer, die Identifikationsnummer eines Schiffes, vergleichbar mit der Fahrgestellnummer eines Autos. Dieser „Fingerabdruck“ ist der verlässlichste Ankerpunkt für das Sanktionslisten-Screening. Mit AVA im Einsatz wird gegen die IMO-Nummern geprüft. Somit verschaffen Sie sich ein komplettes Bild über alle Rechtsgrundlagen und erhalten ein klares Profil der Entität.
AVA wurde von Dow Jones Risk & Compliance zertifiziert. Dadurch haben Sie, in Verbindung mit unserem Sanktionsmonitor, die einmalige Möglichkeit, diese umfangreichen Massendaten von Dow Jones auch mit Ihren Daten abzugleichen.
Folgende Listen sind besonders nennenswert:
– Dow Jones Military End Use Associated Entities feed: Bietet sich für die Suche von Entitäten an, welche gemäß der US-Regierung als militärischer Endnutzer oder in Zusammenhang zur militärischen Endnutzung aufgeführt werden.
– Dow Jones Sanctions Control & Ownership (SCO) data feed: Zur Profilerstellung eines Unternehmens für den SCO-Datenfeed nimmt Dow Jones eine gründliche Recherche vor. Hierbei werden besonders die Informationen über die Eigentumsverhältnisse berücksichtigt. Sanktionierte Personen und/oder Unternehmen üben eine wesentliche Kontrolle auf das entsprechende Unternehmen aus oder halten mindestens 10 % der Anteile.
– Dow Jones Trade Restricted Associated Entities feed: Diese Liste umfasst einen Überblick der Unternehmen, welche aus US-amerikanischer Sicht „Handelsbeschränkungen“ unterliegen und weiteren Untersuchungen/Prüfungen im Rahmen der Exportkontrolle unterzogen werden sollten.
Mit diesen Informationen sind Sie bereits deutlich besser aufgestellt. Nutzen Sie sie als Orientierung, damit Sie sich bei der nächsten Sanktionslistenprüfung sicherer und weniger unbestimmt fühlen. Sollte dennoch das Gefühl aufkommen, nichts tun zu können, denken Sie daran: Geben Sie der Ohnmacht keine Macht. Es gibt immer einen Ansatzpunkt, an dem Sie selbst etwas bewirken können. Unser Sanktionsmonitor und AVA unterstützen Sie dabei zuverlässig.
AVA kurz erklärt – Jetzt scannen und Video abspielen
Der Autor
Thorsten Langer hat über 30 Jahren Erfahrung in der internationalen Zollabwicklung und ist seit 14 Jahren als Senior Projektmanager bei FORMAT Software Service GmbH tätig. Er verfügt über tiefgreifendes Know-how im Bereich Compliance sowie in der operativen und strategischen Außenhandels-, Zoll- und Versandabwicklung, einschließlich Import/ Export, Warentarifierung und Ursprung/Nachweisführung.
Kontakt:
Web: www.formatsoftware.de
E-Mail: info@formatsoftware.de
